Mathias: Kahnbeinfraktur, Januar 2019

Zitat

Lebenssituation (zum Zeitpunkt der Verletzung)

Der Unfall war Ende Januar 2019 und ich war damals 32 Jahre alt. Zu dem Zeitpunkt war ich wissenschaftlicher Mitarbeiter an einer Universität, schrieb an meiner Dissertation und habe mit meiner Freundin zusammengewohnt.

Unfallhergang/Bruchursache

Während des Fußballspielens beim Unisport wurde ich im Vollsprint gefoult (aus meiner Sicht war es ein Vollsprint). Beim Hinfallen habe ich versucht mich mit beiden Händen auf dem Hallenboden abzustützen. Nach der Landung hat ich Schermzen im rechten Handgelenk. Da aber Schmerzen zum Fußball dazugehören habe ich mir natürlich nichts gedacht und bin zunächst nach Hause gefahren.

Ärztliche Konsultationen und Untersuchen/Diagnose:

Da die Schmerzen in meinem Handgelenk, mir den Schlaf geraubt haben und auch am nächsten Tag nicht besser wurden, habe ich mich entschieden meine Hand untersuchen zu lassen. Glücklicherweise ist ein niedergelassener Chirurg ein enges Familienmitglied, bei dem ich schnell vorstellig werden konnte. Nach einer kurzen Untersuchung lag der Verdacht einer Kahnbeinfraktur vor. Auf den Verdacht hin wurden dann im benachbarten Krankenhaus anschließend Röntgenaufnahmen gemacht und da auf den Röntgenaufnahmen nicht viel zu sehen war, ein CT durchgeführt. Auf dem CT selbst konnte keine Fraktur festgestellt werden (noch heute haben verschiedene Ärzte auf den Bildern nichts feststellen können, auch die späteren Ärzte, von denen ich operiert wurde). Empfehlung der Ärzte: „Arm ruhig halten. Wird bald wieder.“ Ich habe mich ein bisschen wie ein Weichei gefühlt, da ich starke Schmerzen hatte, für viel Aufruhr gesorgt und einen schnellen CT Termin bekommen habe, obwohl anscheinend nichts vorlag. Nach ein paar Wochen meinte der besagte Arzt der Familie, dass es nicht sein kann, dass ich immer noch Schmerzen hätte und vermittelte weitere Untersuchungen. Da auf dem CT eine Fraktur ausgeschlossen schien und etwas an den Bändern oder ähnliches vermutet wurde, wurde bei mir ein MRT durchgeführt. Nach einer halben Stunde in der Röhre in Supermanstellung durfte ich raus und es wurde mir empfohlen direkt noch ein MRT mit Einnahme von Kontrastmittel durchzuführen, da doch eine Kahnbeinfraktur vermutet werden konnte. Was in der Ärzteschaft vor Ort für viel Irritation gesorgt hat, da sie die alten CT Bilder parallel dazu sahen. Also zurück ins MRT. Nach diesem Durchlauf war es klar. Kahnbeinfraktur

Therapie:

Da die Möglichkeit bestand, dass der Knochen von allein zusammenwächst, wurde mir zunächst empfohlen, den Kahnbeinbruch konservativ behandeln, also nicht direkt operieren zu lassen. Dies beinhaltete circa zwei Monate den Arm nicht zu belasten und eine Orthese mit Daumeneinschluss zu tragen. Nach etwa 6-8 Wochen wurde bei einem erneuten MRT keine Heilung des Knochens festgestellt. Aus diesem Grund wurde mir geraten mich in einer spezialisierten Handchirurgie beraten zu lassen, ob eine OP unvermeidlich ist und wie die Heilungsaussichten seien. Hier hatte ich wieder Glück, dass mir ein spezialisiertes Krankenhaus empfohlen wurde, das nicht im näheren Umkreis lag. Dort wurde mir eine Operation empfohlen, die auch innerhalb von ein paar Wochen durchgeführt werden konnte. Da aber schon relativ viel Zeit zwischen Unfall und OP-Termin verstrichen war (OP-Termin war Anfang November 2019), waren die Ärzte bzgl. der Heilung des Knochens nicht sicher. Für die Durchführung der OP wurden mir mehrere Alternativen genannt. Entnahme von Knochenmaterial aus Beckenkamm oder Knie, das dann in die Fraktur eingesetzt und mit einer Schraube fixiert wird. Eine weitere alternative war die Nutzung von künstlicher Knochenmasse. Die Ärzte haben mir zur Beckenkammvariante geraten und ich bin dem Rat gefolgt. Die OP ist sehr gut verlaufen und ich durfte nach drei Tagen das Krankenhaus verlassen. Vor Ort im Krankenhaus hatte ich glücklicherweise oft Besuch von meiner Freundin, mit der ich schon am Tag nach der OP kurz spazieren gehen durfte. Die Schmerzen nach der OP waren am Becken, wegen der Knochenentnahme größer als im Arm. Dieser war ja auch ruhiggestellt, was beim Becken so nicht möglich ist.

Alltag vor und nach der Behandlung

Vor der OP konnte ich nur bedingt Sport machen, da ich meinen Arm ruhighalten musste. Mit einer Sportorthese war es mir möglich, zumindest laufen zu gehen. Mit dem Hinweis der Ärzte, dass ein weiteres Hinfallen, für meinen Arm „tödlich“ sein könnte. Aus diesem Grund waren Körperkontaktsportarten tabu. Getränkekiste etc. konnte ich nicht tragen und war deshalb froh, dass meine Freundin stark ist. Beim Autofahren war es schwer die Gänge zu wechseln.

Eine Woche nach der Operation wurde der starre Verband entfernt und für zwei Monate ein Gipsverband angelegt. Für diese Zeit durfte ich gar keinen Sport machen und war auch krankgeschrieben, da es sich um meine dominante Hand handelt. Zuhause war es nach der OP in den ersten Wochen schwierig nur mit einer Hand klarzukommen. Ich habe extra viele Jogginghosen eingekauft, damit ich genug Hosen hatte, die ich mir selber anziehen konnte. Was ich nicht bedacht habe war, dass Winterjacken am Ärmel relativ eng sind und es war ziemlich schwer, eine vernünftige Winterjacke zu finden, die über den Gipsarm gezogen werden konnte. Ansonsten waren viele Haushaltserledigungen, die man mit zwei funktionsfähigen Händen einfach erledigen kann, schwer möglich. Meist hatte man aber schnell den Dreh heraus, wie man sich helfen kann, bzw. hat alles sehr lange gedauert. Da ich aber krankgeschrieben war, hatte ich auch die Zeit dazu. Ich hatte aber wie gesagt das Glück, dass meine Freundin da war und mir sehr viel geholfen hat. Alleine wäre das nur sehr schwer möglich gewesen.

Rehabilitation:

Nach zwei Monaten wurde der Gips abgenommen und das Handgelenk noch einmal geröntgt und ein CT durchgeführt. Der Knochen scheint geheilt und wird wieder durchblutet. In den Wochen danach habe ich circa 20 Physiotherapiestunden erhalten. Nachdem der Gips abgenommen wurde war die Bewegungseinschränkung des Handgelenkes noch sehr hoch, um nicht zu sagen, das Handgelenk war steif. Mit der Physiotherapie habe ich jede Woche Fortschritte gemerkt. Da ich gut mitgemacht habe, ich gelernt habe, wie ich meine Hand trainieren soll und wegen des Anfangs der Coronapandemie, war nach 20 Stunden meine Physiotherapie vorbei. Seitdem trainiere ich die Hand und mein Handgelenk zumindest wöchentlich und nach über einem halben Jahr nach Physiotherapie ist es mir sogar schon möglich Liegestützen zu machen, ohne dass ich ein schlechtes Gefühl habe. Im Sommer habe ich wieder angefangen Fußball zu spielen. Sicherheitshalber noch mit einer Orthese, die dem Handgelenk Stabilität verleiht. Die Schraube ist im Knochen geblieben und da ich keine Beschwerden habe, bin ich auch diesbezüglich nicht mehr beim Arzt gewesen.

Rückblick und Empfehlungen:

  1. Wenn man Schmerzen hat, dann ist da auch etwas und wenn es etwas Psychosomatisches ist!
  2. Bei speziellen Verletzungen, bei denen Spezialisten notwendig sind, sollte schnell der Rat von einem Spezialisten eingeholt werden. Die Heilungschancen sind größer, wenn man früh behandelt.
  3. In der Physiotherapie war ich einem großen ambulanten Rehazentrum. Da hatte ich Glück, dass die Physiotherapeutin eine Weiterbildung für Handgelenke gemacht hatte und war sehr gut aufgehoben. Als die Coronapandemie anfing, musste wegen der Arbeitsplanung, viele Termine verschoben werden und ich wechselte dann oft die Therapeuten. Nachteil war natürlich, dass ich immer wieder die gleiche Geschichte erzählen musste und so viel Zeit verging. Andererseits habe ich neue Tipps und Übungen gelernt, die mich im Endeffekt auch weitergebracht haben.
  4. Für das Training zuhause habe ich mir einen Fingertrainer und Handknete besorgt. Die habe ich beim Fernsehschauen abends genutzt. So war das Training mit wenig Aufwand verbunden und man hat täglich Fortschritte gemacht.
  5. Da der Unfall ein Sportunfall am Arbeitsplatz war, war die veranwortliche Versicherung nicht meine Krankenversicherung, sondern die Unfallkasse. Zum Glück hat mir mein Familienarzt geholfen, daher war mir der Unterschied klar. Als Empfehlung kann ich nur raten, genau zu wissen, wer und warum für die Kosten verantwortlich ist. Das erleichtert dann die Telefonate mit den Versicherungen.
  6. Da ich mehr als zwei Monate krankgeschrieben war, habe ich Verletztengeld erhalten. Hier ist es natürlich auch wichtig, zu wissen, welche Kasse dies übernimmt und es waren einige Telefonate zur Klärung notwendig. Vor allem, da ich im öffentlichen Dienst tätig war.

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